Das iPhone 7 in einem Monat

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Ich hatte die Chance über die letzten fünf Wochen mit dem iPhone 7 zu arbeiten. In den letzten Wochen hat es als mein primäres Smartphone gedient, in diesem Artikel ein paar Worte zu meinem (erneuten) Einstieg in die iOS-Welt.
Als ich 2011 mein erstes Handy, ein LG P500, bekam, lief das schon mit Android 2.2 und bekam sogar ein Update auf Android 2.3.3 – das waren meine Anfänge mit Android und ich bin Google auch immer treu geblieben. Über die Jahre habe ich verschiedene andere Dinge ausprobiert, darunter Dinge wie CyanogenMod, Windows Phone, aber auch iOS. Ich habe schon mit iOS gearbeitet, da gab es die vielen weißen Flächen, flachen Icons nicht und Tim Cook war noch der Mann hinter Steve Jobs.

Seit 2014 verwende ich ein Moto G 0214 als meinen täglichen Begleiter, das kommt nun ins dritte Jahr, funktioniert aber noch immer so, wie am ersten Tag. Mittlerweile hat der Akku etwas nachgelassen und läuft mittlerweile mit CyanogenMod 14.1 (Android 7.1.1), ansonsten hat das Gerät nur mal einen Displaytausch erlebt. So viel zu dem, was ich gewöhnt bin.

Apple ist anders, als die Android-Welt

Mein Desktop ist seit zwei Jahren ein MacBook, mittlerweile ein MacBook Pro aus 2015, das ich im März gekauft habe. Der Grund ist, dass ich die lange Akkulaufzeit, das System und auch ein bisschen das Design der Notebooks liebe. Mit einem Android-Gerät habe ich mich da immer ein bisschen fremd gefühlt, als das iPhone ankam, haben die beiden Geräte einfach ineinander gegriffen.

Meine erste Erfahrung dahingehend war ein Anruf, den ich an einem noch warmen Nachmittag hier in Stuttgart bekam. Das iPhone lag gerade am Nachttisch und wurde geladen, da fing mein Notebook an zu klingeln und ich konnte den Anruf, der an mein Handy ging, direkt an meinem Computer annehmen. Alle Geräte arbeiten zusammen, das gefällt mir, kostet jedoch auch seinen Preis. Realistisch gesehen bekommt man ein neues MacBook ab 800€, ein neues iPhone 7 ab 700€.

Die fehlende 3,5″-Klinke ist nicht wirklich ein Problem, der Akku im Normalgebrauch ausreichend.

Zugegeben, ich bin einer derjenigen, die sich anfänglich über die fehlende 3,5″-Klinke des iPhone 7 aufgeregt haben. Im Praxistest musste ich feststellen, dass mich das nicht stört. Apple legt einen kleinen Adapter bei, in dem der Kopfhörer reingesteckt wird und dieser dann per Lightning-Anschluss an das iPhone gesteckt wird. Zusätzlich hat das iPhone mit der diesjährigen Modellpflege endlich Stereo-Lautsprecher erhalten – die Hörmuschel ist nun auch ein Lautsprecher. Bei uns in der Redaktion gibt es ebenfalls kritische Stimmen und Fragen wie z. B. “Was mache ich, wenn ich mein Gerät laden und gleichzeitig Musik hören möchte?”

In der Tat ist das ein Problem, für das es keine einfache Lösung gibt – falls dieses Problem mal auftritt. Der Akku bringt einen gut durch den Tag, wenn man nicht all zu anspruchsvolle Anwendungen für eine lange Zeit unterwegs nutzt. Das Gerät wurde unter anderem auch auf Kosten des Akkus so dünn gebaut – ein Kompromiss, der mir tatsächlich nicht gefällt. Ein Telefon darf bei mir gerne so “dick” sein, wie es das iPhone 4 war, wenn ich praktisch eine Art Garantie habe, damit durch den Tag zu kommen.

Zum Vergleich: Mit dem Honor 8, das wir vor einigen Wochen bereits auf dem Tisch hatten, kommt man bei normaler, moderater Nutzung ca. zwei Tage aus, da habe ich weder eine Powerbank, noch das USB-C Kabel unterwegs mitgenommen. Mit dem iPhone 7 musste ich in Extremsituationen drei Mal am Tag zum Kabel greifen.

Kurzum, praktisch gesehen hat man das Problem nicht, wenn man das Gerät normal nutzt. Hat man den ganzen Tag den persönlichen Hotspot aktiviert, wechselt ständig zwischen 2G, 3G und LTE und spielt anspruchsvolle Spiele, geht einem der Saft jedoch schnell aus.

Touch ID, 3D Touch, Taptic Engine und mehr

Die Wörter oben sind alles Markenbegriffe von Apple: Mit Touch ID das iPhone entsperren und sich in Apps anmelden, mit 3D Touch effektiver und schneller arbeiten und die Taptic Engine, die mehr, als nur ein Vibrationsmotor ist.

Fangen wir mit Touch ID an: Das iPhone 7 hat Touch ID in der zweiten Generation, das schneller und genauer sein soll – Modellpflege eben. Schnelligkeit ist auf jeden Fall ein Thema. Man hat das iPhone noch nicht mal richtig in der Hand und das Gerät ist schon entsperrt, ein kurzer Tipp auf den Home-Button reicht schon. Im Vergleich zu einem iPhone SE, das noch die erste Version von Touch ID nutzt, wie sie 2013 das erste Mal im iPhone 5s vorkam, sehr schnell. Fingerabdrucksensoren sind heute nichts besonderes mehr und auch in günstigen Smartphones bis 200€ durchaus vertreten, auch wenn mir da spontan nur das Honor 5x einfällt.

Touch ID kann nicht nur für das Entsperren des Geräts und für Einkäufe im iTunes Store / App Store genutzt werden: App-Entwickler können seit iOS 8 eigene Ideen damit umsetzen und so nutzen 1Password (Testbericht) und meine Banking-App Outbank diese Funktion.

Der Bildschirm reagiert auf Berührung und Druck

Schon im iPhone 6S hat Apple mit 3D Touch ein drucksensitives Display vorgestellt, mit der Idee waren sie in der Apple Watch (dort wird es, wie im MacBook, auch Force Touch genannt), die bereits im April 2015 erschien, wahrscheinlich die ersten,das erste Smartphone mit Press Touch war jedoch das Huawei Mate S.

Seinerzeit hatte ich nicht die Möglichkeit, das auszuprobieren, wodurch ich mit dem iPhone 7 noch mehr tolle Dinge probieren konnte.

Durch starkes Drücken auf das Display lassen sich je nach App und Einstellung gewisse Funktionen schnell aufrufen. Ein Beispiel wäre die Einstellungen-App, drückt man da stärker drauf, hat man direkt die Wahl zwischen WLAN, Bluetooth und der Batterieeinstellung, wo man auch den Batteriesparmodus aktivieren kann.

Im ersten Moment hat man Respekt vor der neuen Funktion, ist schüchten, es wirklich zu nutzen, man denkt, dass das Display brechen könnte. Das legt sich nach ein paar Minuten und man probiert aus, wie und wo 3D Touch funktioniert.

Mein Alltag ist mit 3D Touch einfacher geworden, da ich viel schneller arbeiten konnte. Mal kurz in E-Mails rein geschaut, indem ich stärker drauf gedrückt habe, interessiert sie mich, drücke ich “durch” – die Mail wird normal geöffnet. Interessiert sie mich, nehme ich etwas Druck raus und bin wieder im Postfach. Die Funktion genau zu beschreiben ist schwierig, man muss sie ausprobiert haben, um im wahrsten Sinne des Wortes ein Gefühl dafür zu bekommen.

Mehr als nur Vibration

Gefühle und Fühlen sind die perfekte Überleitung zum Vibrationsmotor. Jemand, der noch nie ein iPhone 7 in der Hand hatte, wird sich nun denken, dass ich verrückt bin (das dachte ich ebenfalls, als ich die Testberichte und Hands-Ons im Internet gelesen habe), aber es stimmt: Die Taptic Engine ist mehr als ein normaler Vibrationsmotor.

Sie reagiert auf Benutzereingaben genau so wie auf verschiedene Vibrationsmuster für Anrufer. Bemerkbar macht sich das an allen Ecken und Enden des System, zum Beispiel wenn man das Control Center schnell nach oben wischt. Visuell macht es den Eindruck, als würde es gegen eine unsichtbare Wand stoßen und ein wenig zurückprallen, die Taptic Engine gibt einem das dazugehörige Gefühl in der Hand.

Stelle ich für den nächsten Tag den Wecker, muss ich eine Uhrzeit angeben. Bei iOS wird dies seit jeher mit einer Art horizontalem Scrollrad dargestellt. Scrolle ich schnell durch die Liste, schwingt sie ein wenig nach, so als würde Fliegkraft auf sie wirken. Die Taptic Engine hilft auch hier mit und gibt ein kleines Ticken in meine Hand.

Das Gefühl ist schwer zu beschreiben, man muss es selbst erlebt haben, um es einschätzen zu können. Es ist ein großer Fortschritt, der im Alltag nur kleines bewirkt, im Allgemeinen aber das Gesamtpaket abrundet.

Das iPhone ohne Home-Button

Es ist wahr: Das iPhone 7 hat keinen Home-Button mehr. Also ja, es hat einen Button. Das ist aber nur eine Attrappe. In Wahrheit wird auch der Knopfdruck auf den Home-Button von der Taptic Engine gesteuert. Prinzipiell drückt man hier nur auf einen Widerstand, das ist aber so gut gemacht, dass die meisten Nutzer nicht merken, dass man sie austrickst.

Vorteil an der Sache ist ganz klar, dass da kaum noch etwas dran kaputt gehen kann, Nachteil jedoch, dass ich den Home-Button nicht bedienen kann, wenn das Gerät flach auf dem Tisch liegt oder ich Handschuhe trage – soll ja beides immer wieder mal vorkommen 😉

Insgesamt kann ich sagen, dass ich für die Vorteile, die man mit dem iPhone 7 im Vergleich zu Vorgängergenerationen bekommt, gerne auf die Kopfhörerbuchse verzichte. Hätte man diese belassen, wäre der Einbau der Taptic Engine nicht möglich gewesen, auf die Vorteile dieser möchte ich jedoch nicht mehr verzichten.

Fazit

Das iPhone 7 ist auch dieses Jahr ein gelungenes Stück Technik. In der Oberklasse angesiedelt bietet es viele technische Besonderheiten, die man in anderen Smartphones so nicht wiederfindet. Der hohe Preis von 759€ für die günstigste Ausführung machen das Gerät jedoch etwas unattraktiv.

“Die Apps auf iOS sind besser als überall anders!”

Das ist eine Aussage, die man von vielen Ecken immer mal wieder hört, auf die ich kurz eingehen möchte. Vor einigen Jahren mag dies noch zutreffend gewesen sein, mittlerweile kann ich das jedoch nicht mehr bezeugen.

Seit Apple 2013 mit iOS 7 einen Haufen weißer Flächen, eigentlich nur noch eine weiße Fläche eingeführt hat, ist meiner Meinung nach der Charmé an iOS verloren gegangen. Apps, wie WhatsApp, um nur ein Beispiel zu nennen, ist auf iOS einfach nur weiß. Und im Detail hat es weniger Funktionen als die Android-Variante.

Während man auf Android z.B. sehen kann, wann jemand seinen Status gesetzt hat, findet man diese Angabe auf iOS nicht. Unter iOS sind alle Apps grundsätzlich gleich, was durchaus ein Vorteil sein kann, für mich jedoch keiner ist, weil die Individualität fehlt.

Noch etwas: Das leidige Lied mit den Einstellungen. Manche Apps haben die Einstellungen in der App drin, manche in der Einstellungen-App von iOS, andere Apps mischen beides in einer Art und Weise, die ich nicht verstehe.

Vielen Dank an 1&1, die uns das iPhone 7 freundlicherweise für unseren Testbericht zur Verfügung gestellt haben.

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